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Welpe bettelt am Esstisch – was tun?

Wenn der süßeste Welpe der Welt am Esstisch bettelt. Hart bleiben!

 

Ein Welpe, der am Esstisch bettelt, ist in der Regel so niedlich, dass kaum jemand widerstehen kann. Er schaut so süß und ist ja auch noch so klein, dass man keine perfekten Tischmanieren von ihm erwarten kann. Wer jetzt glaubt, ein Häppchen könne ja nicht schaden, schließlich habe der Welpe noch genug Zeit, um ein wohlerzogener erwachsener Hund zu werden, irrt sich.

Was man seinem Welpen mit jedem Happen vom Esstisch beibringt, ist Folgendes: Der Hund bettelt und kann sich darauf verlassen, dass sein Engagement mit Futter belohnt wird. Hat sich diese Überzeugung erst einmal verfestigt, wird es deutlich schwieriger, dem Hund das dann wieder abzugewöhnen. Es ist viel einfacher, es ihm gar nicht erst anzugewöhnen.

Schließlich wird der niedliche Welpe in nicht allzu ferner Zukunft ein ausgewachsener Berner Sennenhund sein – also eine stattliche Erscheinung, die auf ängstliche Menschen durchaus erschreckend wirken kann, wenn sie mit Nachdruck ihren Anteil von einer Mahlzeit fordert.

 

Warum tut der Welpe das? 

Um zu verstehen, wie man den Welpen daran gewöhnt, am Esstisch nicht zu betteln, ist es wie immer bei der Welpenerziehung hilfreich, sich zu vergegenwärtigen, warum ein Welpe das eigentlich tut. Dazu wirft man am besten einen Blick darauf, was bei einem freilebenden Wolfs- oder Hunderudel „am Esstisch“ üblich ist.

Sobald Welpen alt genug sind, um nicht mehr gesäugt werden zu müssen, würgen die Elterntiere ihnen bereits leicht verdaute Futterbrocken aus dem eigenen Magen vor. Das tun die Alttiere grundsätzlich, nachdem ihre Welpen an ihnen hoch gesprungen sind, um ihnen die Lefzen zu lecken. Spätestens jetzt dürften die meisten Welpenhalter feststellen, dass ihnen dieses Verhalten bekannt vorkommt. Welpen, die die Gesichter ihrer Menschen nicht erreichen können, geben sich dabei ersatzweise auch mit deren Händen zufrieden.

Es zeigt sich: Dieses Verhalten ist vollkommen natürlich und hat seine Berechtigung. Ein bettelnder Welpe ist vollkommen normal und zeigt sein vitales Interesse an Nahrung und seinem Überleben auf die einzig richtige Weise. Diese Erkenntnis bedeutet für liebevolle, verantwortungsbewusste Welpenhalter selbstverständlich ein Dilemma. Man kann dem Hund seine naturgegebenen Verhaltensweisen schlecht übel nehmen, aber leider passen sie nicht in unser alltägliches Bild von gut erzogenen Familienhunden. Ein Kompromiss muss her, der den Hund zwar nicht bestraft, aber doch veranlasst, dieses Verhalten aufzugeben.

 

Was tun erwachsene Hunde, wenn Welpen betteln?

Wirft man nun abermals einen Blick auf Rudel in freier Natur, kann man weitere interessante Dinge lernen. Elterntiere haben nicht immer genug Beute im Magen, um ihren Nachwuchs zu füttern. Auch hier gibt es viele Gelegenheiten, bei denen Welpen erfolglos betteln. Die Alttiere ignorieren dann das Betteln der Welpen, bis es ihnen zu viel wird. Dann beantworten sie es auch mit einem kurzen Knurren. Spätestens das führt in aller Regel dazu, dass die Welpen Ruhe geben.

Diese Gesten kann der Mensch durchaus in sein Verhaltensrepertoire aufnehmen – ganz einfach, indem er das Betteln demonstrativ ignoriert. Das bedeutet, der Welpe soll keinen Erfolg beim Betteln haben und möglichst auch keine andere Form von Aufmerksamkeit für das Betteln erhalten. Alle am Tisch wenden sich ihrer Mahlzeit zu. Es ist wichtig, den Hund jetzt weder zu streicheln, noch auf ihn einzureden oder zu schimpfen. Wenn der Hund bettelt, passiert einfach gar nichts.

Hunde sind von der Natur darauf programmiert, ökonomisch mit ihren Ressourcen umzugehen. Das heißt, sie haben die Fähigkeit, zu erkennen, wann ihr Verhalten nicht zum gewünschten Erfolg führt und daher reine Energieverschwendung ist. Wölfe können das noch etwas besser, denn ihr Leben kann davon abhängen, eine erfolglose Jagd rechtzeitig abzubrechen, bevor alle zu erschöpft sind und trotzdem hungern müssen, weil die Beute entkommen konnte. Ein kleiner Rest von diesem Erbe steckt auch heute noch in jedem Welpen und man kann es sich zu Nutze machen, indem man ihm zu der Einsicht verhilft, dass seine Bemühungen erfolglos bleiben werden.

Reicht das Ignorieren nicht aus, um das Betteln zu beenden, geht man zum nächsten Schritt über und knurrt den Kleinen an. Falls der Welpe schon gelernt hat, auf einer Decke oder in seinem Körbchen zu bleiben, kann man das begleitend nutzen und ihn während des Essens auf seinen Platz schicken.

Hält der Halter das lange genug durch, wird sich der gewünschte Erfolg bald einstellen. Dazu ist nur wichtig, nicht schwach zu werden und doch einmal eine Ausnahme zu machen. Das kann ein Welpe nicht verstehen. 

 

Jetzt bettelt er bei anderen – ein erster Erfolg!

Hundehalter, die ihrem Hund erfolgreich beigebracht haben, dass betteln zwecklos ist, erleben im Anschluss an diese Prozedur meistens Folgendes: Der Hund bettelt nicht mehr bei ihnen, aber sehr wohl bei anderen. Das können Besucher am heimischen Esstisch sein oder auch die Gäste am Nachbartisch im Restaurant. Jetzt ist es umso wichtiger, dass der Hund wieder die gleiche Erfahrung macht wie daheim mit seiner Familie: Es gibt einfach nichts vom Tisch.

In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass nichts vom Tisch auf den Boden fällt, das der Hund sich schnappen könnte. Für ihn macht das keinen Unterschied, ob ein Mensch es ihm aktiv gibt oder es ihm unfreiwillig vor die Nase fällt. Ein Welpe wird das als Erfolg verbuchen und Erfolgserlebnisse führen unweigerlich dazu, dass das vorausgegangene Verhalten wiederholt wird.

 

Vorsicht vor den Hundefreunden! 🙂 

Es klingt ein wenig paranoid, aber tatsächlich ist es am besten, sich nicht auf die Mitwirkung anderer zu verlassen, wenn man in Gesellschaft isst. Es wird immer jemanden geben, der meint, ein Stückchen Fleisch oder ein Knochen habe ja noch keinem Hund geschadet. Deshalb ist es am besten, den eigenen Hund nicht aus den Augen zu lassen, wenn Außenstehende bei Mahlzeiten anwesend sind.

Nicht selten halten andere Menschen Welpenbesitzer schlicht für überbesorgt, wenn die ihnen erklären, dass und warum der Hund bitte nichts vom Essen bekommen soll. Einige nicken dann zwar, haben aber nicht ernsthaft vor, sich an die Bitte zu halten. So schnell, wie dann ein Happen unter dem Tisch verschwindet, können Hundehalter oft gar nicht reagieren, falls sie es überhaupt rechtzeitig bemerken.

Pesonen, die auf diese Art so gar keine Hilfe bei der Welpenerziehung sind, finden sich gelegentlich sogar im engsten persönlichen Umfeld der Halter. Wenn ein Welpe trotz aller Bemühungen nicht aufhört, bei Tisch zu betteln, lohnt es sich, den Blick dafür zu schärfen. Hat der gutmütige Gärtner vielleicht große Zuneigung für den kleinen Hund und immer ein Pausenbrot dabei? Oder betreut jemand aus der Familie regelmäßig den Welpen während der Abwesenheit der Halter? Dahinter muss gar keine böse Absicht stehen, die Erziehungsbemühungen systematisch zu untergraben – manche Menschen merken es einfach nicht, wenn sie gedankenlos etwas in die Welpenschnute stecken.

 

Gute Erziehung macht glückliche Hunde – und Menschen! ♥︎

Ein erwachsener Hund, der gut erzogen wurde, ist überall gern gesehen und kann seine Menschen sehr viel öfter bei alltäglichen Unternehmungen begleiten als ein Exemplar, dessen Manieren zu wünschen übrig lassen. Das gilt insbesondere, wenn es sich um einen ausgewachsenen Berner Sennenhund handelt, der allein durch seine kräftige Statur beeindruckend wirken kann. Es lohnt sich, ein wenig Mühe und Konsequenz in seine Erziehung zu investieren, damit Hund und Halter sich anschließend umso freier durch ihr gemeinsames Leben bewegen können.

Bei einem drolligen Welpen mag das noch als niedlich durchgehen und allgemeine Belustigung erzeugen, aber wenn ein erwachsener Berner Sennenhund sich selbständig macht und ein Buffet oder einen Esstisch abräumt, findet das niemand mehr zum Lachen. Die Konsequenz wäre, dass der schlecht erzogene Hund viel öfter allein daheim bleiben muss. Deswegen ist jedem zu raten, dem kleinen, süßen Welpen von Anfang an niemals etwas vom Tisch zu geben, auch wenn es schwer fällt. Man tut ihm einfach nichts Gutes, wenn man ihn nicht frühzeitig lernen lässt, dass Essen auf dem Tisch für ihn völlig bedeutungslos ist.